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Geschlechtsspezifische Vorurteile und deren Auswirkungen auf medizinische Fachkräfte und Patienten sind ein häufiges Thema von Debatten in medizinischen Kreisen, und zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass diese Vorurteile tatsächlich existieren. Geschlechtsspezifische Vorurteile sind per Definition eine Voreingenommenheit, durch die ein Geschlecht dem anderen vorgezogen wird. Allerdings ist diese Voreingenommenheit oft schwer zu erkennen, da die Auswirkungen von geschlechtsspezifischen Vorteilen meist sehr subjektiv sind.

In einer kürzlich durchgeführten Umfrage haben wir 6.375 medizinische Fachkräfte und 2.116 Patienten in den USA und Europa danach gefragt, ob ihr Geschlecht ihrer Meinung nach Einfluss auf ihre Erfahrung in der medizinischen Versorgung hatte – sowohl unter Beschäftigten als auch Patienten – und falls ja, wie.

Fast die Hälfte der Befragten war der Ansicht, dass ihre Karriere nicht von ihrem Geschlecht beeinflusst wurde. Dementgegen gab einer von vier Befragten an, dass seine Karriere negativ von seinem Geschlecht beeinflusst wurde, und 14 % glaubten, positive Auswirkungen zu beobachten.

Beim Blick auf die einzelnen Länder zeigt sich, dass sich Befragte in den USA am stärksten benachteiligt fühlen: 30 % sind der Meinung, dass ihre Karriere negativ beeinflusst wurde. Im Gegensatz dazu sind 23 % der Befragten in der Schweiz der Meinung, dass ihre Karriere positiv von ihrem Geschlecht beeinflusst wurde. Befragten, deren Karriere ihrer Ansicht nach negativ beeinflusst wurde, stellten wir die weitere Frage, wo sie den größten Einfluss wahrgenommen hatten (mehrere Antworten möglich). Dabei wurden drei Hauptbereiche erkannt:

  1. Verhalten/Respekt am Arbeitsplatz
  2. Verhalten/Respekt vonseiten der Patienten
  3. Entwicklung der beruflichen Karriere

Interessanterweise sahen die meisten medizinischen Fachkräfte, die einen negativen Einfluss wahrgenommen hatten, diesen in Zusammenhang mit Respekt am Arbeitsplatz.

Während mehr als die Hälfte der Befragten glaubte, dass ihre Erfahrungen nicht von ihrem Geschlecht beeinflusst wurden, sahen 15 % einen negativen Einfluss und 12 % einen positiven Einfluss. Am interessantesten ist wahrscheinlich, dass fast ein Fünftel der befragten Patienten nicht sicher war, ob ihre Erfahrungen in der medizinischen Versorgung von ihrem Geschlecht beeinflusst wurden. Dies weist darauf hin, dass das Wissen über geschlechtsspezifische Vorurteile in der Medizin unter Patienten geringer ist als bei medizinischen Fachkräften, wenn es um die Auswirkungen der geschlechtsspezifischen Vorurteile geht, ob vorteilhaft oder nicht.

Wenn Befragte der Ansicht waren, dass ihre Erfahrungen in der Gesundheitsversorgung negativ von ihrem Geschlecht beeinflusst wurden, fragten wir sie nach dem Bereich mit den größten Auswirkungen. Die drei häufigsten Antworten drehten sich immer um die erhaltenen Dienste:

  1. Inanspruchnahme körperlicher Gesundheitsdienste (Allgemeinmedizin, Primärversorgung)
  2. Inanspruchnahme von Diagnose- und Testdiensten
  3. Inanspruchnahme von psychiatrischen Diensten

SCHLUSSFOLGERUNG: Von den befragten medizinischen Fachkräften gaben 39 % an, dass ihre Karriere beeinflusst wurde (gleich ob negativ oder positiv), und 27 % der befragten Patienten waren der Ansicht, dass ihre Erfahrungen in der medizinischen Versorgung von ihrem Geschlecht beeinflusst wurden. Dies bestätigt, dass geschlechtsspezifische Vorurteile unter den Befragten verbreitet sind.